Bremsen will gelernt sein

Ob Naked Bike, Enduro oder Cruiser – richtiges Bremsen will gelernt sein. Um im Ernstfall rasch anhalten zu können, ist der erste Schritt tatsächlich, die Physik zu durchschauen. Der zweite bis dreiundneunzigste: Training, Training und noch einmal Training. Hier wird erklärt, wie es funktioniert. Ob Bremsschuhe oder Scheibenbremse, das Timing muss stimmen.

Die Faustregel beim bremsen

Ein Rad kann im Grunde genommen höchstens so viel Bremskraft übertragen, wie Gewichtskraft auf ihm lastet. Wer eine stärkere Bremsung versucht, erntet ein überbremstes, also blockierendes Rad. Passiert das hinten, kann das Heck ausbrechen – was oft glimpflich ausgeht. Ein blockierendes Vorderrad ist weitaus unangenehmer.

Wenn es dazu kommt, sofort die Bremse lösen, sonst droht im schlimmsten Fall oft ein Sturz. Fahrer von ABS-Motorrädern sind im Prinzip fein raus: Ein Computer reduziert im Zweifelsfall den Bremsdruck automatisch, wenn ein Rad blockiert. Durchatmen, es folgt eine gute Nachricht: Beim Bremsen verlagert sich das Gewicht von Fahrer und Maschine in Richtung Vorderrad.

Deshalb kann im Übrigen die vordere Bremse eine höhere Bremsleistung umsetzen als das entlastete, vielleicht gar leicht schwebende Hinterrad. Wie stark die sogenannte dynamische Radlastverlagerung ausfällt, hängt von mehreren Größen ab: je heftiger die Bremsung, je kürzer der Radstand und je höher der Schwerpunkt, desto stärker. Machen Sie einen Bremsfluessigkeit Tester Test bei Ihrem Motorad und denken Sie daran: safety first.

Wie bremst man nun richtig?

Der Fahrer sitzt mit etwas Körperspannung aufrecht auf dem Motorrad, hat die seine Knie am Tank und die Ellenbogen leicht angewinkelt. Zwar fühlen sich gestreckte Arme stabil und belastbar an, sie sind aber im Zweifelsfall nicht handlungsfähig!

Enduro

Enduros, Supermotos und andere Hochbeinige kämpfen besonders mit der Überschlagsgefahr. Der hohe Schwerpunkt und die steile Gabel sind im Grunde genommen die Hauptgründe dafür. Bei dieser Geometrie ist der einleitende Tritt aufs Bremspedal ganz besonders wichtig.

 

Naked Bike

Aus dem Lehrbuch: Knie am Tank, Arme angewinkelt und Körperspannung halten. So behält der Fahrer die volle Kontrolle, auch wenn das Hinterrad den Bodenkontakt verliert.

 

Cruiser

Hier sind ein niedriger Schwerpunkt und ein langer Radstand typisch; relativ wenig Gewicht verlagert sich nach vorn. Dazu kommt häufig eine sehr hohe Gesamtmasse. Das Vorderrad überbremst deshalb relativ früh. Also ist die Hinterradbremse deutlich stärker gefragt, zumal das Rad am Boden bleibt und viel Kraft übertragen kann.
Die Massenkraft ist so groß wie die erzeugte Bremskraft und ihr entgegengerichtet; die Gewichtskraft wirkt im Schwerpunkt senkrecht nach unten. Wenn die Resultierende aus Massen- und Gewichtskraft die Fahrbahn vor dem Vorderrad trifft, hebt das Hinterrad logischerweise ab.

Tipps fürs richtige bremsen

Haltung
Ihre Körperhaltung sollte locker, nicht lässig, aber auch nicht gespannt oder verkrampft sein. Halten Sie das Knie an den Tank, die Arme sind angewinkelt.

Blick
Am besten gucken Sie weit geradeaus. Sie sollten die Augen nie auf ein Hindernis richten, sondern immer auf die Lücke. Dann kann fast nichts schiefgehen.

Bremsdruck
Schnell und kontinuierlich steigern. Wenn Sie ruckartig bremsen, lassen sich die Räder leichter blockieren.

Ohne ABS
Wenn das Vorderrad blockiert, drücken Sie die Bremse kurz und legen sie neu an. Nicht festfrieren.

Training
Sie sollten im Idealfall immer wieder auf einem verkehrsfreien Platz üben, denn Übung macht nun einmal den Meister. Die Abläufe müssen sich im Unterbewusstsein und in den Reflexen verankern, damit on tour nichts passiert. Sicherheitstrainings gibt es zum Beispiel auf der Homepage www.actionteam.de.

Reinigung

Halten Sie Ihre Bremsen stets sauber und pflegen Sie diese. Nur so ist eine sichere und langlebige Nutzung möglich. Ein Bremsenreiniger kann Ihnen dabei helfen.